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Als erster
Beitrag zur Eröffnung dieser Seite:
Die gute,
alte Kniebundhose
Kniebundhosen - nicht zu verwechseln mit „Knickebockern“ – sind
seltsamerweise fast vollständig aus der Mode gekommen. Sie galten plötzlich
als „großväterlich“ – obwohl es dafür keine eigentlich keine logische
Begründung gibt.
Bei großen Outdoor-Versandgeschäften, wie z. B. Globetrotter, Versandhaus
Süd-West und auch in diversen Bergsport-Geschäften sind derartige Hosen so
gut wie überhaupt nicht mehr erhältlich. Eine Ausnahme bilden da eher
Geschäfte für Trachtenmoden, obwohl die Kniebundhose eigentlich nicht
spezifisch der reinen Trachtenkleidung zugeordnet werden kann. Funktionell
hergestellt und zugeschnitten kam die Kniebundhose keineswegs nur beim
Wandern, sondern auch bei anspruchsvollen alpinen Hochtouren jedes
Schwierigkeitsgrades zum Einsatz.
Auch in Internet-Shops, wie z. B. Ebay, sind Kniebundhosen aller Art nach
wie vor erhältlich. Ferner sind aus Militärbeständen, z. B. der
Gebirgsjäger, diese Hosen noch zu erhalten.
Kniebundhosen sind den heute zwar eher üblichen „Capri-Hosen“ in dreiviertel
langer Form ähnlich - mit dem Unterschied, dass der untere Abschluss - also
der Kniebund - unter dem Knie enger und auch fest verschlossen werden kann.
Dies geschieht in der Regel durch Klettband, Schnürbänder oder am besten
durch einen stufenlos einstellbaren Schnallenverschluss.
Über den Unterschenkel bzw. den Wadenbereich wird in der Regel ein langer
Strumpf getragen, der bis über das Knie reicht. In dieser Kombination
besteht ein durchaus guter Schutz des Beines bei Kälte und Wind. Bei
wärmeren Temperaturen schlägt man den Strumpf in der gewünschten Länge um
und lässt den Kniebund bei Bedarf vollständig offen. Damit wäre man dann
wieder beim System der Touren- oder Capri-Hosen in dreiviertel Länge
angelangt.
Ein gewisser, oft unterschätzter Vorteil einer Kniebundhose besteht darin,
dass diese Hose etwas windschnittiger sowie fester am Bein anliegt und nicht
so das Bein umflattert, wie dies bei einer womöglich weit geschnittenen
langen Capri- oder Tourenhose der Fall ist. Man kann in dieser Hose also
besser ausschreiten und hat zudem eine freiere Sicht auf das Aufsetzen und
Abwinkeln des Schuhes.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass z. B. bei verschlammtem oder morastigem
Untergrund kein Hosenbund verschmutzt wird, weil der bei einer Kniebundhose
eben nicht so weit herunterreicht. Es bleibt allenfalls bei einer
Verschmutzung des Schuhes und evtl. des Strumpfes, was aber dann
geringfügiger ausfällt und besser zu reinigen ist.
Die Kniebundhose in gewissen abgewandelten Formen entdeckt man heutzutage
allerdings mehr im Genre der Trachten, speziell in süddeutschen und noch
hessischen Landstrichen. Z. B. werden Kniebundhosen vorzugsweise in Form der
„Krachledernen“ in bayrischen jedoch auch schwäbischen Heimatvereinen und
Musikkapellen getragen. Im Schwarzwald z. B. tragen die Männer Kniebundhosen
aus schwarzem Tuchstoff, die im Kniebund leicht ausgestellt ist; dazu weiße
lange Strümpfe mit gestricktem Zopfmuster.
Auch im volkstümlichen Trachten- und Showbereich trägt die Kniebundhose
jener Tatsache Rechnung, dass man in ihr besser ausschreiten kann, z. B.
beim Marschieren in Musikformationen.
Nachteilig kann allerdings bei einer Kniebund- und auch dreiviertel langen
Wanderhose sein, dass in den Abschluss des oberen Schuhschaftes leichter
Schnee, Steine oder ähnliches eindringen können, da dieser vollkommen
freiliegt. Auch Feuchtigkeit (Regen) kann so eher eindringen. Dies kann bei
einer feuchtigkeitsresistenten langen Hose, deren unterer Bundabschluss über
den Schuhschaft fällt, in dieser Weise nicht so leicht oder direkt
passieren.
Aus diesem Grund sind beim Tragen von Kniebundhosen insbesondere auf
Gletschern mit hoher Schneeauflage Gamaschen erforderlich, die den
Unterschenkel- und Knöchelbereich komplett umschließen.
Bei langen Tourenhosen ist das Tragen von Gamaschen daher meist nicht
notwendig; hochwertige lange Hosen für Hochtouren verfügen zudem über eine
eingewirkte Innengamasche, die zudem in die Schnürung des Wander- oder
Bergstiefels eingehakt werden kann.
Wichtig ist bei einer Kniebundhose ein guter Sitz, sie muss zudem eine
gewisse Dehnung zulassen. Die langen Strümpfe müssen auf jeden Fall in der
Länge leicht über das Knie reichen und rutschfest sitzen. Wird das Bein
häufig stärker abgewinkelt, rutschen schlecht sitzende oder zu kurze
Strümpfe oft aus dem Kniebund heraus, was lästig sein kann. Grundsätzlich
ist bei langem Tragen einer Kniebundhose unter starker Bewegung ein gewisses
Nachstraffen der Strümpfe immer wieder mal erforderlich, es sei denn, man
lässt die Strümpfe bei warmem Wetter gleich herunter gerollt.
Wer lange Wander- bzw. Tourenhosen bevorzugt, sollte darauf achten, dass
diese zwar nicht eng, jedoch auch nicht zu weit und zu lang sind. Nur so
lässt sich der schon beschriebene „Flattereffekt“ vermeiden, der einer
zügigen Fortbewegung etwas entgegenstehen und insbesondere bei langen
Gehstrecken lästig sein kann.
Welche
enormen Vorteile eine Kniebundhose bieten kann, möge folgendes Beispiel
verdeutlichen:
Ein Wanderer ist auf seiner Tour mit einer robusten Capri-Hose - also einer
Hose in 3/4-langer Form - bekleidet. Die Sonne scheint; in seinen robusten
Wanderstiefeln trägt der Wanderer kräftige, funktionelle Wandersocken. Nach
einiger Zeit schlägt das Wetter um, es wird kühl, und der Wanderer friert
gehörig an den Waden seiner Beine. Mit einer Kniebundhose und langen
Strümpfen, die er bei der anfänglichen Sonnenwärme nach unten hätte
umschlagen können, wäre dies nicht der Fall gewesen!
Einige Zeit
später ist unser Wandersmann wieder unterwegs - das Wetter ist diesmal zu
Beginn der Tour kühl und regnerisch, und deshalb hat er gleich eine lange
Wanderhose angezogen. Diesmal bleiben seine Beine warm, allerdings
verschmutzen die Hosenbeine auf dem gerade verschlammten und mit Pfützen
bedeckten Wanderweg erheblich. Ein Hochrollen der Hosenbeine (die zudem
ziemlich nass sind) geht nicht, zudem trägt unser Wandersmann wieder nur
Wandersocken; seine Waden würden wieder kühl.
Doch nun wird es schlagartig warm, nunmehr sind die langen Hosenbeine
lästig; der Wanderer schwitzt in seiner langen Wanderhose, die nicht gerade
aus atmungsaktiven Material besteht, gehörig.
Ein alter
Wanderkamerad rät ihm nun zu einer funktionellen Kniebundhose und langen
Wanderstrümpfen. Unser Wandersmann bricht nun bei kühlem Wetter auf, die
Strümpfe halten seine Unterschenkel trocken und warm, er kann gut
ausschreiten, und selbst der verschlammte Weg bewirkt allenfalls ein paar
Spritzer auf den Strümpfen, die Hose jedoch bleibt oben trocken! Selbst ein
Gang durch nasses Gras lässt allenfalls die Strümpfe ein wenig feucht
werden, denen die Nässe jedoch weniger ausmacht als wenn unser Wandersmann
wieder lange Hosen getragen hätte. Zudem hat er wohlweislich ein Paar
Reservestrümpfe im Rucksack und wechselt sie während einer Rast. Eine zweite
Hose mitzunehmen, wäre umständlicher gewesen und hätte auch viel mehr Platz
beansprucht!
Wieder einige Zeit später wird es plötzlich sonnig warm; unser Wanderer
schlägt nun einfach die Strümpfe ganz nach unten um und lockert zudem noch
den Kniebund - so entsteht kein Wärmestau! Dennoch schlägt der Kniebund
nicht um die Beine beim Ausschreiten - weil er einfach enger geschnitten
ist.
Es gibt
allerdings auch Wander- und Outdoor-Hosen, die mit 2 bis 3 abzippbaren
Beinteilen versehen sind. Dies ermöglicht, nur eine einzige Hose als kurze
Shorts, als Capri-Hose in 3/4 Länge oder mit allen angebrachten Beinteilen
als normale lange Hose zu tragen. Wie verhält sich dies in der Praxis?
"Abzippbar" bedeutet, dass sich an den Rändern dieser Beinteile jeweils oben
und unten (an einem unteren Beinteil jedoch nur oben) ein Reißverschluss
befindet, der es bei Aufziehen ermöglicht, das Beinteil abzunehmen und
umgekehrt beim Zuziehen wieder anzubringen. Das Abnehmen ist zumeist kein
Problem; es kann in getragenem Zustand der Hose erfolgen: Man schlägt den
Saum, der den Reißverschluss bedeckt, nach oben zurück zieht den
Reißverschluss auf und hakt ihn am Ende aus. Um das Beinteil abzunehmen,
muss man meist den Schuh ausziehen, um es über den Fuß streifen zu können.
Nicht so einfach klappt dies umgekehrt: Die Hosenteile müssen in der
richtigen Position zunächst übergestreift und mit dem richtigen Ende des
Verschlusses eingehakt werden. Aus diesem Grund sind bei besseren Fabrikaten
derartiger Hosen Markierungen angebracht, wodurch besser ersichtlich wird,
welches Hosenteil auf welche Seite und mit welchem Ende des Zippers gehört.
Jeder Reißverschluss ist gleichzeitig aber auch ein Schwachpunkt: Das
betreffende Kleidungsstück ist an dessen Bereich nie so dicht wie an den
sonstigen Stellen. Dies betrifft übrigens auch jede Naht.
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